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Fisetin 

 April 28, 2020

By  Max

Fisetin

Altern ist für uns Menschen eine der normalsten Sachen der Welt. Für weniger komplexe Lebensformen wie Allgen oder Quallen ist dieses Konzept jedoch unbekannt. Die lineare Progression des Alterns, verbunden mit der Entwicklung von altersbedingten Krankheiten, resultierend im Tod des gesamten Organismus ist ein Phänomen, welches erst höher entwickelte Lebewesen betrifft. Da stellen sich natürlich viele Fragen: Warum ist das so? Und wie funktioniert Altern überhaupt?

Fangen wir hierzu ganz von vorn an:


Altern ist definiert als die progressive physiologische Veränderung eines Organismus die zur Seneszenz führt, verbunden mit der Abnahme biologischer Funktionen und der Fähigkeit sich an metabolischen Stress anzupassen.[1]

Seneszenz beschreibt in diesem Zusammenhang das Unterdrücken des Zellwachstums in Zellen, die durch Umwelteinflüsse unter "Stress" stehen und DNA Schäden erlitten haben. Dies spielt eine Rolle von Bedeutung in Alterungsprozessen und mit damit verbundenen Krankheiten.[2]


Das Thema Alter und Krankheit zu stoppen beschäftigt heute, genau wie früher, Forscher und Wissenschaftler. Mit wachsendem Verständnis des menschlichen Körpers und des Alterungsprozesses selbst, haben wir jedoch heutzutage schon ein sehr viel besseres Bild als noch vor 30 Jahren. So gibt es mittlerweile zahlreiche Theorien, die den Grund für das Altern zumindest im Ansatz erklären können, und damit potentielle Ansätze zur Intervention.



Theorien des Alterns

Es gibt zahlreiche mögliche Gründe für das Altern, aber keine Theorie konnte bis jetzt alle Ideen schlüssig kombinieren. Grundsätzlich lassen sich zwei Hauptzweige unterteilen: Zum einen ist man der Ansicht, dass Altern im Genom programmiert ist und sozusagen endogene Predispositionen der Hauptgrund sind. Zum anderen gibt es die Fehler-Theorien, die die fortwährende Ansammlung von Zellschäden durch exogene Einflüsse verantwortlich machen.[3]



Endogene Alterungstheorien:

  • Altern als Resultat des „An und Aus-schaltens“ von Genen, welche lebensnotwendige Abläufe regulieren.
  • Endokrinologische (hormonelle) Vorgänge, im Speziellen das Zusammenspiel von Insulin/IGF-1 und des Zielrezeptors, welche die Alterungsrate bestimmen soll.  
  • Die Immunologische Theorie, welche u.a. besagt, dass das Immunsystem nach Erreichen der Pubertät zunehmend schlechter koordiniert und reguliert wird und über zellulären Stress, und die schlechtere Fähigkeit Antikörper zu produzieren, anfälliger gegenüber infektiöser Krankheiten wird.

Exogene Alterungstheorien:

  • Die „Abnutzung“ von Zellorganellen durch permanente Inanspruchnahme während zahlreicher Stoffwechselvorgänge.
  • Die Menge an Sauerstoffkonsum als Richtlinie für Lebenserwartung (u.a. oxidativer Stress durch freie Radikale).
  • DNA Schäden (UV Strahlung, Radioaktivität, gentoxische Stoffe) welche vor allem in Geweben mit verminderter Zellteilung durch reduzierte Reparaturmechanismen (z.B. DNA Polymerasen) häufiger Schäden akkumulieren.[4] 

Fisetin und seine Rolle in der Natur

In diesem Artikel soll es heute um einen Stoff gehen, der in Pflanzen vorkommt und viel Potential für medizinische Anwendungen hat – das Flavenoid Fisetin.

Flavenoide sind trizyklische Polyphenole die als natürliche, pflanzliche Antioxidantien wirken. In Pflanzen wirken sie vornehmlich gegen das Entstehen von DNA Schäden durch UV-Strahlung oder Wasserstoffperoxid, aber auch gegen Pilzinfektionen.

Zu finden sind Flavonoide vor allem in Erdbeeren, Äpfeln, Gurken und Trauben.[5]

 

Fisetin ist einer der vielversprechendsten Vertreter aus dieser Kategorie, wie zahlreiche Studien belegen konnten. 

 



Neugierig? 

überzeugen sie sich selbst!

1.

Fisetin - Wirkung auf Entzündungen und Allegien


Entzündungen sind eine natürliche Reaktion des Körpers nach Auftreten von Zellschäden. Durch die Freisetzung von proinflammatorischen Stoffen wird der Heilungsprozess induziert und beschleunigt. Wenn Entzündungen jedoch chronisch auftreten, ohne Verbesserung des ursprünglichen Schadens, oder auch ohne dass jemals eine initiale Verletzung stattgefunden hat, kann das negative Konsequenzen haben. Krankheiten wie COPD, Arthrose und viele kardiovaskuläre Pathologien sind typische chronische Entzündungsleiden.


Fisetin war in der Lage Entzündungen durch verringerte Ausschüttung von pro-inflammatorischen Transmittern aus Mast Zellen zu verringern. Da diese Art von Immunzellen auch maßgeblich in allergischen Reaktionen beteiligt sind, kam es in Testgruppen nach der Einnahme von Fisetin auch zur Verbesserung von Asthmaleiden.[6]

Des Weiteren konnte in einer anderen Studie an Mäusen nachgewiesen werden, dass Gelenkserkrankungen wie Osteoarthrose durch die Gabe von Fisetin verbessert werden können. Durch die Reduktion der Entzündung im Gelenk beruhigt sich das Knorpelgewebe und damit potentiell die Beschwerden dieser Krankheit.[7]

 


2.

Fisetin -  Nerven und Psyche


Fisetin kann nachweislich die Proliferation, sowie das Wachstum von Nervenzellen anregen.Dies ist von Bedeutung in Nervenkrankheiten, wie zum Beispiel Parkinson - ein Nervenleiden, welches vor allem das Mittelhirn befällt. Sie ist charakterisiert durch eine Reduktion in der Anzahl von dopaminogenen Neuronen. Da viele Faktoren in das Entstehen von Parkinson einwirken (Oxidativer Stress, Neuroentzündung durch Microglia, reduzierte Neurotrophe Faktoren) ist es notwendig, die Progression der Krankheit über möglichst viele Ansätze zu behandeln. 

Fisetin hilft die Menge an Glutathion unter oxidativem Stress aufrecht zu erhalten.[8]

Glutathion ist enorm wichtig für uns, da es der primäre antioxidative Schutzfaktor im menschlichen Körper ist. Es schützt somit Körperzellen vor Schäden durch freie Radikale, wie zum Beispiel Hydroxylradikale oder Wasserstoffperoxid.[9] 

Somit könnte Fisetin in der Lage sein, Parkinson vorzubeugen oder sogar in der Behandlung von Nutzen zu sein.  

Neben diesem strukturbildenden Effekt ist Fisetin dabei auch in der Lage, die Kommunikation zwischen den Zellen zu verbessern. Durch einen Anstieg im Serotoninspiegel wird der Entwicklung von Depressionen vorgebeugt.[10]

 

Natürliche Methoden in der Behandlung von Depressionen sind von großem Interesse für Ärzte und Patienten, da Medikamente wie selektive Serotonin Wiederaufnahme-inhibitoren oft starke Nebenwirkungen haben.

 

Fisetin könnte darüber hinaus auch gewissen Nootropische Funktionen innehaben. Lernprozesse involvieren den Hippocampus, welcher eine lang andauernde Erhöhung  von synaptischen Potentialen, also Nervenzellenkopplung, nach hochfrequenter pre-synaptischer Stimulation aufzeigt. Das bedeutet also, das häufige Impulse derselben Art gefestigt werden, und sich in unserem Wissen verankern. Dieser Prozess der "Langzeitpotenzierung"  ist nach heutigem Verständnis das, was wir unter Lernen verstehen. Fisetin hat den Effekt diese Langzeitpotenzierung nach oraler Gabe von 5-25mg/kg Körpergewicht, zu verstärken - es unterstützt also den Lernprozess.[11]

 


3.

Fisetin schützt vor Krebs 


Auch in der Krebsforschung haben Flavonoide vielversprechendes Potential. Eine der vielen Eigenschaften von Krebszellen ist die Fähigkeit, vom Immunsystem lange unbemerkt zu bleiben. Normalerweise wird in einem Prozess der Autophagie und Apoptose der Zelltod von kranken Zellen eingeleitet. Die betroffene Zelle wird frühzeitig erkannt und eliminiert – ein Vorgang der tagtäglich sehr häufig stattfindet und unseren Körper vor Krankheiten schützt. Sollte dieser Prozess des programmierten Zelltodes zu häufig oder zu wenig stattfinden, kommt es zur Entstehung von neurodegenerativen Krankheiten, Ischemischen Schäden, Autoimmunkrankheiten und auch Krebs.[12]

Fisetin war in der Lage mit vielen Wegen der Krebsentwicklung zu interferieren und vor allem die oben beschriebene Apoptose und Autophagie zu verbessern – der Körper ist also besser gewappnet für die Prävention gegen Krebs.[13]


Die Wirksamkeit für Krebsprävention konnte bereits bei der Behandlung von Osteosarkomen, einer der häufigsten Knochentumore, nachgewiesen werden. Hier konnte Fisetin den Zelltod von betroffenen Zellen erzeugen.[14]


Auch im Gebiet der Chemotherapie zeigt Fisetin vielversprechende Wirkungen.[15]

Paclitaxel ist ein Medikament welches die Zellteilung von Zellen stört, was in der Behandlung von Tumoren von Bedeutung ist, da die Teilungsrate in Krebszellen sehr viel höher ist als in gesunden Zellen - damit wird das Tumorwachstum gebremst.[16]

Fisetin ist in der Lage an derselben Stelle der Mitose anzusetzen wie auch Paclitaxel und könnte vielleicht eine natürlich vorkommende und besser Verträgliche Alternative darstellen.[17]



4.

Fisetin für gesunde Knochen 


Wie in Punkt drei beschrieben, konnte Fisetin in der Behandlung von Knochentumoren bereits positive Effekte zeigen. Aber auch in der Behandlung von Osteoporose hat Fisetin Potential. Es unterdrückt die Differenzierung von Osteoklasten und beugt damit Knochenresorption und Abbau vor. Gleichzeitig werden Osteoblasten in ihrer Funktion stimuliert und damit der Knochenaufbau verbessert. Das Zusammenspiel dieser Zellen im Knochen ist wichtig für Auf- und Abbau von Gewebe-, sowie für die Mineralisierung, welche buchstäblich eine tragende Rolle spielt.[14]


Fisetin und sein Anti-Ageing Effekt


Wenn wir uns jetzt den Anfang dieses Artikels in das Gedächtnis rufen, lässt sich Fisetin also nicht nur in eine, sondern mehrere Alterstheorien einordnen.


Zum einen besitzt Fisetin Eigenschaften, die das Immunsystem regulieren und effizienter arbeiten zu lassen. Durch verringerte Ausschüttung von proinflammatorischen Stoffen aus Mast Zellen, werden chronische Entzündungen reduziert. Zum anderen wird DNA Schäden effizienter vorgebeugt, durch die Verbesserung der Regeneration von Glutathion. Weniger oxidativer Stress sorgt für reduziertes Mutationsrisiko des Erbguts und verbessert damit langfristig Gewebefunktion und beugt Krebs vor. Darüber hinaus wird programmierter Zelltod von kranken Zellen früher eingeläutet und ausgeführt.

FIsetin hat außerdem starke senolytische Effekte. Das bedeutet, dass Zellen, deren Aktivität durch biologische Mechanismen die den Zellteilungszyklus verlangsamen, zerstört werden.[19]

 

Damit wird der Alterungsprozess durch die Verminderung endogener, sowie exogener Faktoren verlangsamt.

 

Zusammenfassung

Fisetin hat von allen Flavonoiden die untersucht worden sind das meiste Potential im Einsatz als natürlicher Medikamentenersatz. Es verfügt über zahlreiche präventive Funktionen für vielerlei Krankheiten und hat Eigenschaften, die den zellulären Alterungsprozess bremsen. Es ist damit für Jeden relevant, der Krankheiten vorbeugen und fit bleiben will!

Referenzen

[1] https://www.britannica.com/science/aging-life-process

[2] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30279143/

[3] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2995895/

[4] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2995895/

[5] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2117903/

[6] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7123471/

[7] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28213268

[8] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7123471/

[9] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28714503

[10] https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-662-48986-4_1285

[11] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7123471/

[12] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1347861317302116

[13] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2117903/

[14] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5067175/

[15] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24535991

[16] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31044527

[17] https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=paclitaxel

[18] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24535991/

[19] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6197652/

Über den Autor

Max

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